Berufung oder Lebensaufgabe

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Eine der schwierigsten Aufgaben im Leben ist es, seine Berufung oder Lebensaufgabe zu finden – so empfand ich es bisher.

Diese Sache, dieses Ding, das dem Leben einen Sinn gibt. Der Job, den man auch ohne Gehalt machen würde. Wo die Tätigkeit selbst die Belohnung und Entlohnung ist.

Sehr viele Menschen haben dies noch nicht gefunden. Man trifft eher selten Leute, die einfach glücklich sind, mit dem, was sie machen. Glücklich, nicht nur zufrieden!

Grabrede

Eine Übung, um festzustellen, wo es grob hingeht, ist es, eine Rede zu schreiben für seine eigene Beerdigung. Sich vorzustellen, dass ein lieber Mensch auf Deiner Beerdigung eine Rede über Dein Leben hält und festzulegen, was Du da gerne hören wollen würdest.

Bei meinem ersten Versuch wurde relativ schnell klar, dass Dinge wie

– besaß das beste Auto in der Nachbarschaft

– war am modischsten gekleidet

– hat die ganze Welt bereist

– hatte eine erfolgreiche Karriere

wenigstens für mich bedeutungslos sind für eine solche Rede und damit auch für mein Leben. Ich konzentrierte mich auf Eigenschaften und Tätigkeiten, die einen Wert für die Gesellschaft und mein Umfeld hatten. Ich wollte gerne gesehen werden als jemand, der diese Welt besser verlässt, als er sie vorgefunden hat.

Auch wenn ich immer noch gerne einen positiven Einfluss auf andere haben möchte und mich über eine Grabrede freuen würde, bei der meine Heldentaten für die Gesellschaft besungen werden, weiß ich jetzt aber, dass es um etwas anderes geht.

Die Grabrede war aber eine gute Übung, um grob die richtige Richtung zu finden.

Grobe Richtung

Für mich ist es, dass ich mich gerne weiterentwickeln und andere bei ihrer Entwicklung unterstützen möchte. Das ist noch ziemlich schwammig, aber ich bin ziemlich froh und dankbar, schon so weit gekommen zu sein. :-)

Der Anfang

Wenn man auf der Suche ist nach dieser Aufgabe oder Berufung, hilft es erst einmal bei sich selbst aufzuräumen und seine eigenen Potenziale zu sehen. Den Menschen kennenlernen, für den man die Berufung finden will.

Fähigkeiten, Begabungen, Wunsche, Träume, die als Rahmen dienen können für die Suche.

Aber auch Klarheit und Übersicht ist wichtig und dabei hilft, eigene Baustellen aus dem Weg zu räumen. Wunden, Ängste und falsche Glaubenssätze.

Hilf Dir erst selbst

Sich erst einmal selbst zu entwickeln und wertvoll für sich selbst zu werden hört sich etwas egoistisch an, aber je besser Du mit Dir und in Dir bist, umso hilfreicher bist Du für andere um Dich herum.

Es ist wie mit den Sauerstoffmasken im Flugzeug. Erst setzt Du Dir selbst eine Maske auf, wenn diese herunterfallen und dann erst hilfst Du anderen. Nur wenn Du selbst ausreichend Luft hast, kannst Du andere unterstützen.

Nur wenn Du selbst weißt, wer Du und was Du bist, kannst Du ernsthaft wertvoll für andere sein.

Die Suche

Ein deutlicher Hinweis dafür, was Deine Berufung ist, ist darauf zu achten, was Du so gerne machst, dass Du dabei die Zeit vergisst. Sachen für die Du kein Geld und keine Anerkennung benötigst und sie trotzdem machen würdest.

Hinweise aus dem Umfeld mit „Du solltest mal“ und „das wäre was für Dich“ dürfen eine Weile ignoriert werden – es geht nur darum, was Dich anzieht und was Du liebst.

Es besteht immer die Gefahr, sich selbst im Weg zu stehen. Hier wird nicht gefragt, was unter bestimmten Voraussetzungen, wie Geld und Ort geliebt wird, sondern ohne Einschränkung. Wenn man nicht aus seiner Komfortzone heraus möchte, finden sich immer Ausreden, warum etwas unrealistisch ist.

Was aber, wenn die gefundene Lebensaufgabe nicht Erzieher, Ärztin, Wissenschaftler oder Therapeut sind, sondern Vater, Mutter, Verkäufer oder Überraschungs-Ei-Sammler? Egal, was man macht, es kommt darauf an, wie man es mit Leben und der eigenen Energie füllt. Wie man mit seinem Umfeld dabei interagiert, welche Schwingung man aussendet.

Die Verkäuferin, die ihren Job liebt, kann jedem Kunden den Tag versüßen und damit einen positiven Einfluss haben.

Job und Definition

Falls Deine Aufgabe ein bezahlter Job ist, sollte klar sein, dass die Höhe der Bezahlung in keinem Verhältnis zu dem Wert stehen muss, den Dein Beruf oder Deine Aufgabe für Dich und andere hat.

Seine Lebensaufgabe in ein Konstrukt wie einen Beruf oder eine Firma zu stecken, ist gefährlich. Es ist besser, es herunterzubrechen, auf den Kern, eine Tätigkeit, für die ich nicht von anderen abhängig bin.

Es wäre etwa ungünstig, sich festzulegen auf „ich liebe es Lehrer zu sein“ – besser wäre „ich liebe es anderen Menschen etwas beizubringen“. Für das eine brauche ich ein Studium und einen ganz bestimmten Arbeitsplatz, für das andere nur andere Menschen.

Hier auch wieder viel Stoff für gute Ausreden, um in der Komfortzone zu bleiben. Je detaillierter ich die Aufgabe fasse, umso weniger realistisch ist die Umsetzung.

Manches wird für viele nur in der Freizeit realisierbar sein, bis eines Tages klar wird, dass ein Job, bei dem man acht Stunden am Tag nicht das tut, was einem guttut, für absolut niemanden ein Gewinn ist.

Immer noch auf der Suche

Ich schaue weiterhin darauf, was mich anzieht und wobei ich die Zeit vergesse, um die Aufgabe und das Ziel zu finden. Mir scheint, als wenn ich vorankomme und sei es manchmal nur durch Ausschluss von Bereichen, die es nicht sind.

Sicher bin ich nur, dass es nichts damit zu tun haben wird, Besitz gehabt, einen Ort besucht oder einen Titel oder Status besessen zu haben.

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